Wo Symptome verloren gehen
Beim Arzt gehen Symptome verloren, bevor sie ausgesprochen sind.
4 Interviews (3 Patient:innen + 1 MFA) + 1 synthetisches · explorative Umfrage · Desk Research
„Ich hatte alles gut erklärt – aber trotzdem die falsche Behandlung bekommen. Danach fragst du dich: War das mein Fehler?“
Interview 04 · Patient:in mit Sprachbarriere
Kein Einzelfall
haben erst zu Hause gemerkt, dass sie etwas nicht verstanden hatten
14 von 16berichten eine konkrete Folge, z. B. Medikamente falsch eingenommen
12 von 17meiden den Anruf in der Praxis
12 von 17Eigene explorative Umfrage, n = 16–17 je Frage, zweisprachig DE/EN, Juli 2026
Was sich durch alle Gespräche zog
Niemand hat wirklich alles erklärt. Alle haben verdichtet auf das, was sicher sitzt, und das verstärkt sich selbst.
Schweigen als Selbstschutz
- Druck im TerminUnter Stress verschwinden Wörter, auch nach 25 Jahren in Deutschland.
- Nicken statt nachfragenDas Nicht-Verstehen wird versteckt, nicht gezeigt.
- Weglassen, was nicht sitztErzählt wird nur, was sicher formuliert ist.
- Die Praxis hört ZustimmungSchweigen wird als „alles in Ordnung“ gelesen.
- Falsch behandeltDas Vertrauen sinkt, beim nächsten Termin ist der Druck größer.
Meine Annahme war falsch
Wo ist die Hürde am größten?
Der persönliche Kontakt wird am stärksten geschätzt, weil der Körper die Arbeit der Sprache übernimmt. Daraus wurde die Leitidee: zeigen statt formulieren.
Für wen ich baue
Was ich herausgefunden habeEr schweigt nicht, weil er nichts zu sagen hat, sondern um nicht aufzufallen. Die Praxis liest das als Zustimmung.
Mateo R., 31
IT-Consultant in München · der überforderte Selbst-Stratege
- seit 3 Jahren in Deutschland
- Deutsch zwischen A2 und Nachrichtengucken
- zu Hause Spanisch, im Büro Englisch
- WG in Schwabing
Eigentlich war er nur für ein Jahr gekommen. Sein Deutsch reicht für den Alltag, aber nicht fürs Sprechzimmer. Wenn er krank ist, wartet er so lange wie möglich, und seinen Hausarzt kennt er bis heute nicht. Unter Druck fällt das Wort weg, und mit dem Wort das Symptom.
Was ihn bremst
- Fehlt ein deutsches Wort, lässt er das Symptom weg.
- Mit Begleitung fühlt er sich entmündigt.
- Er hat schon Medikamente falsch eingenommen.
Wie er sich behilft
- Meidet das Telefon und geht lieber persönlich hin.
- Nickt und unterschreibt, um nicht aufzuhalten.
- Übersetzungs-App und Notizen, die ihn eher nervöser machen.
Was er braucht
- Den Arztbesuch allein und im eigenen Tempo schaffen.
- Führung ohne komplizierte gesprochene Sätze.
- Die Gewissheit, richtig verstanden worden zu sein.
Persona, verdichtet aus drei Patienten-Interviews und der Sicht der MFA. Dazu aus der Umfrage: 71 % meiden den Anruf, 41 % haben einen Arztbesuch schon aufgeschoben.
Also muss die Lösung vor dem Gespräch ansetzen, dort, wo noch kein Druck ist, und zeigen lassen statt formulieren.
Zeigen statt formulieren
Zeigen statt formulieren, vor dem Gespräch statt darin.
Vier Richtungen, eine weiterverfolgt · Wettbewerb · Prinzipien · von der Skizze zum Screen
Die Richtung
Vier Ideen, eine davon gebaut
QR-Code am Empfang scannen, ohne Login in der eigenen Sprache starten. Das passiert im Wartezimmer, dort, wo noch kein Druck ist.

Prinzip 1
Zeigen statt schreiben
Kacheln mit Icon und Wort, Körperkarte, Skalen. Freitext gibt es nur bei Name, Suche und Notfall. Wem das Wort fehlt, der tippt an, was er meint.

Prinzip 1, weitergedacht
Der Finger übernimmt die Arbeit der Sprache
Die Körperkarte hat Vorne und Hinten, und man kann mehrere Bereiche antippen. Genau das, was im Interview funktioniert hat: persönlich kann man zeigen.

Prinzip 2
Orientierung statt Fortschritt
Vier benannte Kapitelpunkte statt einer Prozentzahl: Über Sie, Beschwerden, Details, Abschluss. Sie stehen auf jedem Screen an derselben Stelle, genauso wie Sprache und Hilfe.

Was anamea anders macht als der Wettbewerb
Ich dachte, ich hätte eine leere Nische. Hatte ich nicht: Mehrsprachige Anamnese gibt es schon. Also musste ich meine Position schärfen.
Stark: mehrsprachig, patient-first, klinisch validiert. Genau mein Problem.
Lücke aus Nutzersicht: starres Formular, kein sichtbarer Fortschritt.
Stark: ausgereifte UX, tief in den Praxisablauf integriert.
Lücke aus Nutzersicht: von der Praxis her gedacht, nur Deutsch und Englisch.
Stark: adaptiv, gesprächig, sehr gute Nutzerführung.
Lücke aus Nutzersicht: macht Triage, keine Übergabe an die Praxis.
Was keiner tut: dem Patienten in seiner Sprache zeigen, was gerade über ihn übermittelt wird.
- Prüfen vor dem Absenden, Beleg danach. Bei aidminutes endet der Bogen mit „Absenden“, danach ist alles weg. Bei anamea sieht man vorher jede Angabe und kann sie später im Sprechzimmer nachsehen.
- Sprache und Hilfe immer sichtbar. Beim Wettbewerber liegt der Sprachwechsel im Hamburger-Menü. Wer den Bogen nicht lesen kann, liest auch das Wort „Menü“ nicht.
- Sichtbare Kapitel statt Fortschritt im Dunkeln. Man weiß jederzeit, wo man steht und was noch kommt.
Von der Skizze zum Screen
Drei Screens in drei Stufen. Der Hi-Fi-Stand ist der nach dem Test, die Änderungen daraus stehen in Kapitel 4.
Beschwerden



Körperkarte



Prüfen



Auf dem Papier ging das auf. Ob Zeigen im Wartezimmer wirklich reicht, konnte nur ein Test zeigen.
Durchgekommen, aber nicht angekommen
Alle kamen ans Ende. Vollständig war nur einer von drei Bögen.
3 Personen · 3 Sprachen (Polnisch, Tagalog, Deutsch) · Think-Aloud · auf dem Smartphone
Task Success Rate 100 %. Und trotzdem gescheitert.
Getestet habe ich mit einer selbst programmierten Version, das Handy in der Hand wie im Wartezimmer. Keine Aufgabe nannte einen Knopf beim Namen.
haben abgeschickt. Kein Abbruch. Nach der klassischen Kennzahl ein voller Erfolg.
Bögen waren vollständig. Zwei kamen mit Lücken bei der Praxis an, ohne dass es jemand gemerkt hat.
Drei Personen liefern Hinweise, keine Belege. Und den Sprachwechsel habe ich dreimal vorgesagt, dieser Punkt ist deshalb ungeprüft.
Mein Produkt hatte das Problem nachgebaut, das es lösen sollte.
Wo die Angaben verloren gingen
Fünf kritische Befunde: Hier bekäme die Praxis falsche oder unvollständige Angaben, oder ein Notfall würde falsch ausgelöst. Drei davon sieht man direkt am Screen der Testversion.



Dazu drei wichtige Befunde: Xymena wollte zwei Antworten gleichzeitig geben (Mehrfachauswahl), Teresa las mehrere KI-übersetzte Fragen zweimal (muttersprachlich gegenlesen), und einen QR-Code konnte Xymena in einer echten Praxis schon einmal nicht scannen (tippbare Adresse auf dem Aufsteller).
„Haben wir etwas nicht gefragt, was Sie für den heutigen Besuch aber noch als besonders wichtig empfinden?“
Dennis, Testperson · sein Vorschlag für eine letzte Frage im Bogen
Die wichtigste Antwort kam auf eine Frage, die ich gar nicht gestellt hatte. Der Katalog ist enger als die Wirklichkeit. Ein offenes Feld widerspricht aber meinem eigenen Prinzip und müsste maschinell übersetzt in einen medizinischen Beleg. Das ist eine Haftungsfrage, und sie ist noch offen.
Der Weg funktionierte. Was fehlte, waren Signale für das, was niemand sieht.
Sichtbar machen, was übersehen wurde
Lücken sichtbar machen, bevor jemand unterschreibt.
Hi-Fi-Prototyp und Designsystem, angepasst an die kritischen Befunde
Dieselbe Stelle, vorher und nachher
Links die Testversion mit dem Befund, rechts der Hi-Fi-Screen an derselben Stelle.




Fehlerzustände
Statt eines stumm ausgegrauten Buttons sagt der Screen, was fehlt. Jede Pflichtangabe hat jetzt einen eigenen Fehlerzustand.


Notfall
Keine zweite Antwort über dem Start mehr, sondern ein fester Chip oben links. Rot gibt es nur noch hier.
B2 und B5 sind Fehler in der Logik meiner Testversion, nicht im Interface. Sie muss die nächste programmierte Version lösen. Bewusst nicht geändert: die Kapitelpunkte. Sie werden nicht als Steuerung erkannt, aber alle drei haben über „Ändern“ auf dem Prüfen-Screen korrigiert. Erst messen, dann umbauen.
Der Notfall: eine Ausnahme, aber sofort erreichbar
Wer den Chip antippt, verlässt den Bogen. Fünf Screens, ein rotes Band auf jedem davon, und am Ende weiß das Praxisteam Bescheid.

Chip oben links, auf jedem Screen an derselben Stelle

Nur der Name, damit die Praxis zuordnen kann

Was ist passiert? Antippen, mehrere sind möglich

Das Praxisteam wird sofort informiert

Notruf 112 mit einem Tipp, wenn es nicht warten kann
- Rot nur hierIm regulären Bogen gibt es kein Rot. Wer es sieht, weiß: Ich bin im Notfall.
- Zeigen statt schreiben, auch hierSechs Antworten zum Antippen. Nur „Anderer Notfall“ fragt nach Stichpunkten.
- Das neue RisikoWas nicht mehr im Weg steht, kann zu versteckt sein. Genau das prüft das nächste Experiment.
Einmal komplett durch
Der Patient bleibt in seiner Sprache, die Praxis bekommt Deutsch.
1 · Start
In der eigenen Sprache, ohne Login
QR-Code scannen, Sprache wählen, los. Fünf Minuten, kein Konto, keine Installation.

2 · Beschwerden
Antippen statt tippen
Kacheln mit Icon und Wort, in der gewählten Sprache. Was fehlt, wird angetippt, nicht beschrieben.

3 · Körperkarte
Zeigen, wo es wehtut
Vorne und hinten, mit sichtbaren Zonen. Hier übernimmt der Finger die Arbeit der Sprache.

4 · Rückfragen
Jede Rückfrage sagt, warum sie kommt
Die Fragen passen sich den Beschwerden an. Über jeder steht, wofür die Praxis sie braucht.

5 · Krankengeschichte
Was nicht zutrifft, bleibt leer
Vier Listen, etwa Krankheiten, Medikamente und Operationen. Eine leere Liste steht als „Keine Angabe“ da, hinzufügen geht mit einem Tipp.

6 · Prüfen
Stimmt alles?
Jede Angabe in einer Zeile, jede mit „Ändern“. Danach kommt die Unterschrift.

7 · Unterschrift
Bestätigen mit dem Finger
Keine Abgabe ohne Rückbestätigung. Die Unterschrift ist der letzte Schritt im Kapitel „Abschluss“.

8 · Für die Praxis
Die Praxis bekommt Deutsch
Ein Anamnesebogen auf Deutsch, egal in welcher Sprache ausgefüllt wurde. So ist er im Hi-Fi gestaltet. Einlösen muss das die nächste programmierte Version, dort lag B5.

Das erste Interface hat keinen Akku

Wenn am Tresen niemand versteht, was der QR-Code soll, startet die App nie. Icons erklären den Ablauf, ein Satz steht in fünf Sprachen da, und wer nicht scannen kann, tippt die kurze Adresse ab. So muss Sabine am Empfang nichts erklären. Ob das am Tresen funktioniert, ist noch offen.
Selbst durchklicken
Der Hi-Fi-Prototyp in Figma, so wie er nach dem Test aussieht.
- Hauptweg vom Start bis zum Beleg für die Praxis
- Pflichtangaben leer lassen und sehen, wie der Screen es sagt
- Notfall über den Chip oben links
- Mitten im Bogen von Deutsch auf Englisch wechseln
Bleibt die Frage, woran ich im echten Wartezimmer erkenne, dass es wirkt.
Vollständigkeit messen, nicht Abschluss
Gezählt wird, was ankommt, nicht, wer abschickt.
Kennzahlen für den Praxistest und das nächste Experiment
Drei Kennzahlen statt einer
Die Abschlussquote allein hätte mir im Test 100 % gemeldet. Deshalb steht die Vollständigkeit an erster Stelle.
- VollständigkeitsquoteTest: 1 von 3
Bögen mit allen Pflichtangaben, ohne Nacharbeit
- AbschlussquoteTest: 3 von 3
Über den QR-Code gestartete Bögen werden abgeschickt
- VerständlichkeitsquoteIm Test nicht erhoben
„Ja“ auf „War alles verständlich?“ am Ende des Bogens
Zielwerte, keine Messwerte. Die schwächste Sprachversion darf höchstens 10 Prozentpunkte unter der deutschen liegen.

Hier wird die Verständlichkeit gemessen: eine Frage am Ende des Bogens, drei Antworten zum Antippen.
Das nächste Experiment: Ist der Notfall jetzt zu versteckt?
Den Notfall aus dem Weg zu nehmen, schafft ein neues Risiko: Wer ihn wirklich braucht, muss ihn trotzdem sofort finden.
Wenn der Notfall als untergeordnete Zeile statt als gleichwertiger Block erscheint, starten mehr Menschen den regulären Bogen – und weniger landen aus Versehen im Notfall.
Findet auch nur eine von zwölf Testpersonen die Option im Ernstfall nicht in unter 10 Sekunden, ist die Variante durchgefallen – egal, wie gut die Startquote aussieht.
Womit ich gearbeitet habe
KI hat mir Tempo gegeben: auswerten, programmieren, strukturieren. Die Nummer zeigt das Kapitel.
ClaudeKI-Assistent
- 01Interview-Mitschriften zu Clustern verdichtet, Rohdaten der Umfrage ausgewertet
- 03Testversion programmiert: vier Sprachen, adaptive Rückfragen, lauffähig auf dem Smartphone
- 03Testplan und Skript strukturiert, Aufnahmen und Transkripte ausgewertet
- 04Körperkarte als antippbare SVG neu gebaut, Hi-Fi 1:1 aus den Figma-Variablen umgesetzt
- 05Kennzahlen und Test Card erarbeitet und gegen die Testdaten geprüft
FigmaDesign & Prototyp
- 02Mid-Fi-Screens und der erste klickbare Prototyp
- 04Designsystem mit Variablen und der Hi-Fi-Prototyp
Figma KIKI in Figma
- 04Neue Notfall-Screens per Prompt aus den bestehenden Komponenten und Farben erweitert
MiroAuswertung
- 03Beobachtungen aus dem Test als Board sortiert
- 05Kennzahlen und Test Card als Board aufbereitet
Weitere KISparring & Übersetzung
- 01Ein synthetisches fünftes Interview, in der Synthese klar von den vier echten getrennt
- 02Sparring: grundverschiedene Lösungsrichtungen aus der Leitfrage
- 03Fragen maschinell übersetzt. Die Grenze zeigte der Test: Teresa las mehrere Fragen zweimal
Was bei mir blieb
- 01Die vier echten Interviews geführt und die widerlegte Annahme erkannt
- 02Drei von vier Richtungen verworfen, nach Wichtigkeit, Aufwand und Wirkung
- 03Den Test durchgeführt, beobachtet und die Befunde priorisiert
- 04Vorher festgelegt, was sich ändert und was bewusst bleibt
- 05Vollständigkeit als erste Kennzahl gesetzt, abgeleitet aus dem eigenen Test
Die KI setzt um, sie entscheidet nicht.
Alle fünf Präsentationen
Jedes Modul der Weiterbildung endete mit einer Präsentation. Sie zeigen den Stand von damals, auch Annahmen, die später gekippt sind. In Modul 1 und 2 zählt das synthetische Interview noch bei den fünf Interviews mit.
Am Anfang stand ein Satz: alles gut erklärt, trotzdem falsch behandelt. Deshalb zählt für anamea nicht, ob jemand abschickt, sondern ob ankommt, was er sagen wollte.
Sie suchen jemanden, der erst prüft und dann gestaltet? Lassen Sie uns sprechen.
